24 Jun 2026
EuGH-Urteil eröffnet Wege zu Entschädigungen für Online-Glücksspielverluste in Deutschland

Der Europäische Gerichtshof hat in einem Urteil vom April 2026 klargestellt dass Online-Spieler in Deutschland und anderen EU-Staaten unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Rückerstattung von Verlusten aus illegalen Glücksspielangeboten haben und dieses Recht auch nach einer späteren Legalisierung des Marktes bestehen bleibt. Das Verfahren basiert auf dem Fall eines deutschen Spielers der zwischen Juni 2019 und Juli 2021 an Online-Slotmaschinen sowie an Lotterie-Prognosewetten teilgenommen hatte und nun Schadensersatz fordert weil die Plattformen zu jenem Zeitpunkt keine gültige deutsche Lizenz besaßen.
Die Richter bestätigten dass Mitgliedstaaten Online-Glücksspiel zum Schutz der Verbraucher einschränken dürfen und dass das EU-Recht zivilrechtliche Rückerstattungsansprüche nicht ausschließt. Die Entscheidung trägt die Aktenzeichen C-440/23 und wurde in der PRESS RELEASE No 53/26 veröffentlicht die unter dieser Quelle abrufbar ist. In Deutschland galt bis zum Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Juli 2021 ein weitgehendes Verbot für grenzüberschreitende Online-Angebote und viele Plattformen operierten ohne nationale Zulassung.
Hintergrund des Verfahrens und die rechtliche Ausgangslage
Der Kläger hatte über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren Einsätze auf nicht lizenzierten Websites platziert und dabei erhebliche Beträge verloren. Nachdem Deutschland den Markt regulierte und Lizenzen vergab stellte sich die Frage ob Verluste aus der vorangegangenen illegalen Phase noch geltend gemacht werden können. Das deutsche Gericht legte den Fall dem EuGH vor und erhielt eine klare Antwort. Das Gericht stellte fest dass die damalige Rechtslage den Anbieter nicht schützt und dass Spieler unter nationalem Zivilrecht Schadensersatz verlangen dürfen. Die Richter betonten gleichzeitig dass die Mitgliedstaaten weiterhin berechtigt sind Online-Glücksspiel aus Gründen des Verbraucherschutzes zu beschränken.
Auswirkungen auf bestehende und künftige Verfahren
Rechtsanwälte und Verbraucherschutzorganisationen sehen in dem Urteil einen Präzedenzfall der zahlreiche weitere Klagen ermöglichen könnte. Betroffene Spieler die zwischen 2019 und Mitte 2021 auf nicht lizenzierten Plattformen gespielt haben können nun prüfen ob sie Ansprüche geltend machen. In mehreren deutschen Landgerichten laufen bereits ähnliche Verfahren die durch das EuGH-Urteil neue Impulse erhalten könnten. Experten weisen darauf hin dass die Entscheidung nicht nur für Slots und Sportwetten gilt sondern auch für andere Glücksspielformen wie Poker oder virtuelle Automatenspiele soweit sie vor Juli 2021 ohne Lizenz angeboten wurden.

Die GGL als zuständige Aufsichtsbehörde hat in den vergangenen Monaten bereits mehrere Berichte zu illegalen Angeboten veröffentlicht und beobachtet seit dem Urteil ein verstärktes Interesse an Rückforderungen. In Juni 2026 liegen erste Schätzungen vor nach denen mehrere Tausend Spieler potenziell betroffen sein könnten. Die genaue Zahl der möglichen Verfahren hängt jedoch davon ab wie Gerichte die Verjährungsfristen und die Beweislast im Einzelfall auslegen.
Rechtliche Rahmenbedingungen in der Europäischen Union
Das EuGH-Urteil bestätigt die bisherige Linie dass nationales Recht im Bereich des Glücksspiels weitgehend autonom bleibt solange die Grundsätze des EU-Binnenmarkts und des Verbraucherschutzes gewahrt werden. Die Richter machten deutlich dass eine spätere Legalisierung nicht automatisch zu einer Amnestie für frühere Verstöße führt. Anbieter die vor Juli 2021 ohne Lizenz tätig waren können sich daher nicht darauf berufen dass ihre Tätigkeit später erlaubt wurde. Diese Klarstellung betrifft sowohl in Deutschland ansässige Spieler als auch Nutzer aus anderen EU-Staaten die ähnliche nationale Verbote hatten.
Mögliche Folgen für Anbieter und Spieler
Unlizenzierte oder ehemals illegale Plattformen sehen sich mit der Möglichkeit konfrontiert dass Spieler massenhaft Rückerstattungen einfordern. Einige Anbieter haben bereits Rückstellungen gebildet während andere juristische Schritte prüfen um Haftungsrisiken zu begrenzen. Spieler wiederum müssen im Einzelfall nachweisen dass die Plattform zum Zeitpunkt der Teilnahme tatsächlich illegal war und dass sie selbst nicht wissentlich gegen geltendes Recht verstoßen haben. Gerichte werden voraussichtlich in den nächsten Monaten weitere Leitentscheidungen treffen die die praktische Umsetzung des EuGH-Urteils konkretisieren.
Ausblick und laufende Entwicklungen
Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs hat die Diskussion über Verbraucherrechte im Online-Glücksspiel erneut belebt. In den kommenden Monaten werden deutsche Gerichte und gegebenenfalls weitere EuGH-Verfahren zeigen wie weit die Rückerstattungsansprüche tatsächlich reichen. Die Aufsichtsbehörden beobachten die Entwicklung genau und warnen gleichzeitig vor unseriösen Dienstleistern die Spielern kostenpflichtige Hilfe bei der Durchsetzung von Ansprüchen anbieten. Das Urteil bleibt damit ein zentraler Bezugspunkt für alle Beteiligten im regulierten und ehemals illegalen Marktsegment.
Schlussfolgerung
Das EuGH-Urteil schafft eine klare rechtliche Grundlage für Rückforderungen von Verlusten aus illegalem Online-Glücksspiel vor Juli 2021 und bestätigt gleichzeitig die Befugnis der Mitgliedstaaten zum Verbraucherschutz. Die praktischen Auswirkungen werden sich in den nächsten Verfahrenswellen zeigen und könnten die Struktur des deutschen Glücksspielmarktes weiter beeinflussen. Betroffene Spieler und Anbieter sollten die laufende Rechtsprechung aufmerksam verfolgen um ihre jeweiligen Positionen sachgerecht einzuschätzen.